Die Geschichte der Familie Kühne

Nienhagen

Am 7. Februar 1863 erwirbt Philipp August Kühne, Pächter der preußischen Domäne Wanzleben, 509 ha Ackerland am Rand der Magdeburger Börde, nordöstlich des Harzes: das Gut Nienhagen bei Halberstadt.

Bis zum September 1945 bewirtschaftet die Familie Kühne den Hof erfolgreich mit Herz und Verstand. Dann wird die Familie entschädigungslos enteignet und siedelt nach Westdeutschland um. — Wie kam es dazu?

Hier ist nicht der Ort für Lektionen in deutscher Geschichte. Hier sollen nur — in der gebotenen Kürze und möglichen Objektivität — die geschichtlichen Ereignisse erläutert werden, die eine Folge des Naziregimes und des Zweiten Weltkrieges waren und die das Schicksal so vieler anfasste. Auch das der Familie Kühne.

Zeitenwende

Der Hitler-Barbarei war ein Ende bereitet, Nazideutschland hatte bedingungslos kapituliert, die verbliebenen Teile des Deutschen Reiches waren von den alliierten Truppen besetzt.

Nienhagen befand sich in der sowjetischen Besatzungszone.

1945

Unter dem Schlagwort »Junkerland in Bauernhand« wurden auf dem Gebiet der sowjetischen Besatzungszone (SBZ) zwischen 1945 und 1949 rund Millionen Hektar Land entschädigungslos enteignet und in den so genannten Bodenfonds überführt. Davon betroffen waren 31% der Gesamtfläche oder 35% der landwirtschaftlichen Nutzfläche der SBZ.

Es sei auch erwähnt, dass ab 1952 die Bauern gezwungen wurden, ihren neuen Besitz in die »Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften« (LPG) einzubringen. Dieser Prozess der Kollektivierung war 1960 abgeschlossen.

1990

In den Verhandlungen zur Wiedervereinigung Deutschlands wurde festgelegt, die enteigneten Alteigentümer nicht zu entschädigen. Nach dem Beitritt der DDR in den Geltungsbereich des Grundgesetzes wurde diese Vereinbarung wiederholt in Frage gestellt, aber immer wieder bestätigt.